Wieso CSR die Zukunft Ihres Verlags sichert

Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) fordern Unternehmen und Medienhäuser heraus – fördern sie aber auch, weshalb wir die Themen auch als wirksames mehrstufiges Fitnessprogramm für Verlage beschreiben. In einer Artikelserie erläutern wir, wie der Einstieg gelingt, was es zu beachten gilt und wie ein Unternehmen so dauerhaft Kondition aufbaut.

Man kann kaum entkommen: Alle Welt führt das Schlagwort der Nachhaltigkeit im Munde, überall ist es das große Thema, befördert und beschleunigt durch geopolitische Fragen und Herausforderungen der Energieversorgung – und brennender denn je. Viele Verlage schätzen Nachhaltigkeit jedoch lediglich als »Könnte-man-mal-machen-Angelegenheit« ein. Das ist erstaunlich, denn Corporate Social Responsibility (CSR) gehört heute als umfassende Dimension zu den Kernthemen eines Verlags, da seine Zukunftsfähigkeit, neben wirtschaftlichen und regulatorischen Aspekten, maßgeblich auch von ökologischen, gesellschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen beeinflusst wird. Umso mehr lohnt es sich, das Thema im Blick zu behalten, immer wieder neu zu betrachten, neue Entwicklungen zu berücksichtigen und vor allem: zu handeln. Denn in CSR liegt großes Potenzial für die eigene Zukunftssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit.

Klimakrise und Klimakatastrophen leuchten Branchenunternehmen und ihren Mitarbeitenden als Ursache für dringenden Handlungsbedarf zwar durchaus ein, trotzdem stellen einige den Wirkungsgrad ihrer Handlungsoptionen infrage: »Was können wir schon tun..?«

Weit gefehlt! Denn abgesehen von der Verantwortung, die jeder einzelne tragen muss, gibt es auch für Verlage ganz konkrete Gründe, weshalb sie sich – allem krisengeschüttelten Tagesgeschäft zum Trotz – der Nachhaltigkeit annehmen sollten und müssen.

Treiber für den Handlungsbedarf erkennen

Hier sind zum einen die Kunden anzuführen, ebenso wie Stakeholder, zu denen u. a. Investoren:innen, Autor:innen und Content-Lieferanten, Mitarbeiter:innen, Geschäftspartner:innen oder ganz allgemein die Gesellschaft gehören. Mit ihren veränderten (Transparenz-)Erwartungen an die Nachhaltigkeit von Produkten oder Dienstleistungen sind sie ein wesentlicher Treiber des Handlungsbedarfs rund um Nachhaltigkeit und CSR.

Ein weiterer Faktor, der CSR-Engagement ganz wesentlich beeinflussen und antreiben kann, ist das unternehmerische Selbstverständnis und eine daraus abgeleitete gesellschaftliche Verantwortung von Verlagen und Medienunternehmen, die sich als Teil einer Gemeinschaft begreifen, deren Zukunft es zu sichern gilt.

Und letztlich ist auch der Gesetzgeber ein Treiber, der mit klarer Zielsetzung einen nachhaltigen Staat bzw. ein nachhaltiges Europa und nachhaltiges Wirtschaften fordert. Einige Regelungen gelten schon jetzt, manche müssen voraussichtlich 2023/2024 umgesetzt werden und in den nächsten Jahren werden die Forderungen immer weiter verschärft werden. Herausfordernd ist, dass es hier viele verschiedene Initiativen, Gesetze und Rahmenbedingungen gibt (s. auch Infokasten am Ende des Beitrags). Daher ist es umso wichtiger, auch die Entwicklung der Gesetzeslage zu beobachten.

Für Verlage gilt es nun individuell zu ermitteln, welche Verpflichtung oder welche(r) dieser Treiber sie zum Handeln auffordern. Denn daraus leitet sich ab, wie die Umsetzung aussieht und welche Maßnahmen erfolgen sollten, können bzw. müssen. Meist wird es wohl ein Mix aus unterschiedlich gewichteten Treibern sein, die einen entsprechenden Handlungsbedarf beinhalten. Deshalb gewinnt ein Unternehmenskonzept an Bedeutung, das über die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen hinaus alle relevanten Dimensionen der Nachhaltigkeit integriert.

Das alles funktioniert nicht einfach nach dem Motto »Just do it!«, mit dem uns einst der bekannte Turnschuhhersteller vom Sofa auf die Tartanbahn trieb. Nachhaltigkeit im Sinne einer Corporate Social Responsibility und damit einer ganzheitlichen Perspektive ist komplex, vielschichtig und herausfordernd. Gerade deshalb ist es wichtig, überlegt, schrittweise und strategisch vorzugehen. Konkret bedeutet dies:

Vorausschauende Unternehmen

Statt »einfach machen« handelt es sich also eher um ein mehrstufiges Fitnessprogramm – aber eben genau das wirkt. Für Verlage lohnt es sich, diesen Weg Schritt für Schritt zu gehen, der – um beim sportlichen Bild zu bleiben – vom Sofa zum Fitnessprogramm auf der Tartanbahn führt und dem Unternehmen zu Resilienz und Nachhaltigkeit verhilft.

1. Schritt: Strategie, Entwicklungen und Trends

Nachhaltigkeit beginnt mit strategischen Überlegungen und mit der Erkenntnis, von einer Kultur des Sagens zu einer Kultur des Fragens zu kommen. Denn wichtig ist es, zunächst die richtigen Fragen zu stellen und nicht schnelle Antworten parat zu haben. In diesem Sinne ist unter anderem Folgendes zu hinterfragen:

Dafür ist auch der Überblick nötig über gesellschaftliche Entwicklungen und Trends sowie Zeit für Selbstreflexion auf persönlicher ebenso wie auf organisatorischer Ebene. Viel Orientierung bietet hier das Zukunftsinstitut (https://www.zukunftsinstitut.de) mit seinen Mega-Trends und Diskussionsbeiträgen. Es stellt zudem die Frage, was es für Unternehmen bedeutet, wenn sich Wirtschaft und Gesellschaft in Richtung Sinn-Ökonomie bewegen.

2. Schritt: Ein Blick auf Politik und Anforderungsmanagement

Sind die ersten wesentlichen Fragen von Vision-Mission-Strategie beantwortet, ist es sinnvoll, notwendig und wichtig, einen Blick auf die aktuelle und kommende Gesetzgebung auf deutscher und europäischer Ebene sowie auf weitere staatliche Initiativen zu richten. Praxisgerechte Unterstützung in diesem durchaus komplexen Feld bietet der Deutsche Nachhaltigkeitskodex mit branchenbezogenen Leitfäden zum Aufbau einer Nachhaltigkeitsstrategie. Damit ist auch der Einstieg in die Nachhaltigkeitsberichterstattung möglich, die die Entwicklung des Unternehmens im Zeitverlauf sichtbar macht. Ein DNK-Leitfaden speziell für die Verlagsbranche wird derzeit gerade von den Publisher Consultants und dem World Wide Fund for Nature (WWF) sowie anderen Branchenpartnern erarbeitet. Auch dies ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum zukunftsfähigen Wirtschaften, das Verlagen großes Potenzial sichert.

Wie dieser schnell anwendbare und umsetzbare Handlungsrahmen genutzt werden kann und was konkret zu tun ist, darauf geht der nächste Teil dieser Reihe ein.

Überblick: Politische Initiativen und Anforderungsmanagement

Wer sich mit der aktuellen und geplanten Gesetzgebung sowie mit staatlichen Initiativen beschäftigt, merkt schnell, wie vielschichtig und komplex das Thema ist. Hier vermitteln wir einen ersten, kurzen Überblick. Tiefergehende Informationen dazu unter www.publisher-consultants.de

SDGs – Agenda 2030

Mit der im Jahr 2015 verabschiedeten Agenda 2030 hat sich die Weltgemeinschaft unter dem Dach der Vereinten Nationen zu 17 globalen Zielen (Sustainable Development Goals, kurz SDGs) für eine bessere Zukunft verpflichtet. Leitbild der Agenda 2030 ist es, weltweit ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen und gleichzeitig die natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaft zu bewahren. Dies umfasst ökonomische, ökologische und soziale Aspekte und unterstreicht die gemeinsame Verantwortung aller Akteure: Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft – und jedes einzelnen Menschen. (Quelle: https://www.bundesregierung.de)

Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie

An den 17 globalen Zielen der Agenda 2030 orientiert sich seit 2016 auch die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, deren Weiterentwicklung am 10. März 2021 vom Bundeskabinett beschlossen wurde, um Wirtschaft und Gesellschaft »enkeltauglich« zu machen – also auch für zukünftige Generationen lebenswert zu erhalten.

Damit ist die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie ein Stück weit internationalisiert worden. Das bedeutet: Die Bundesregierung schaut nicht nur auf Deutschland, sondern auch weltweit auf die Umsetzung dieser Ziele bis 2030. Denn über Mittel und Maßnahmen der Entwicklungszusammenarbeit kann Deutschland auch international Einfluss auf die Umsetzung der Ziele ausüben. (Quelle: https://www.bundesregierung.de)

European Green Deal

Der europäische Grüne Deal ist die konzeptuelle Grundlage für die Umgestaltung und Entwicklung eines neuen Wirtschaftsmodells. Alle 27 EU-Mitgliedstaaten haben sich verpflichtet, die EU bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent zu machen und die Emissionen bis 2030 um mindestens 55% gegenüber dem Stand von 1990 zu senken. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen Wirtschaft und Gesellschaft in vielen Bereichen neu ausgerichtet werden.

Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz

Auch als Lieferkettengesetz bekannt, soll es der Verbesserung der internationalen Menschenrechtslage dienen, indem es Anforderungen an ein verantwortliches Management von Lieferketten für bestimmte Unternehmen festlegt. Diese erhalten einen klaren gesetzlichen Rahmen zur Erfüllung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten. Die Anforderungen sind international anschlussfähig und orientieren sich am Sorgfaltsstandard der VN-Leitprinzipien, auf dem der Nationale Aktionsplan basiert. (Quelle: https://www.bmas.de)

Nationaler Aktionsplan

Mit dem Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention stößt die Bundesregierung einen Prozess an, der in den kommenden zehn Jahren nicht nur das Leben von Menschen mit Behinderungen maßgeblich beeinflussen wird, sondern das aller Menschen in Deutschland sowie unsere Alltagskultur.

Die UN-Behindertenrechtskonvention konkretisiert die universellen Menschenrechte für die speziellen Bedürfnisse und Lebenslagen behinderter Menschen. Inklusion ist dabei die durchgängige Haltung und das zentrale Handlungsprinzip. (Quelle: https://www.bmas.de)

CSR-Richtlinien-Umsetzungs-Gesetz / CSR-RUG

Gesetz zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen in ihren Lage- und Konzernlageberichten (CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz) (Quelle: https://dip.bundestag.de)

EU-Taxonomie

Um die Klima- und Energieziele der EU zu erreichen, müssen Investitionen in nachhaltige Projekte und Aktivitäten gelenkt werden. Für eine erforderliche, klare Definition des Begriffs »nachhaltig« wurde die EU-Taxonomie Verordnung geschaffen. Als gemeinsames Klassifizierungssystem für nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten soll die EU-Taxonomie eine Schlüsselrolle bei der Neuausrichtung der Kapitalströme hin zu nachhaltigen Investitionen spielen. Sie stellt daher einen wichtigen Schritt zur Verwirklichung des übergeordneten Ziels einer klimaneutralen EU bis 2050 dar. (Quelle: https://www.bmk.gv.at)

Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD)

Die Europäische Kommission hat am 23. Februar 2022 einen Richtlinienentwurf zur Ausweitung der Sorgfaltspflichten im Rahmen der Lieferkette (Corporate Sustainability Due Diligence Directive, sog. EU-Lieferkettenrichtlinie) veröffentlicht. Entsprechend des Europäischen Grünen Deals und im Einklang mit den UN-Zielen für eine nachhaltige Entwicklung sollen mit dieser Richtlinie die Berücksichtigung von Menschenrechten und Umweltbelangen in der Unternehmenstätigkeit und -führung gestärkt werden. Der Richtlinienentwurf soll als Ergänzung bereits bestehender EU-Vorschriften angesehen werden. Soweit andere EU-Vorschriften umfangreichere oder spezifischere Vorschriften enthalten, sind die Vorschriften der EU-Lieferkettenrichtlinie als nachrangig anzusehen. (Quelle: https://www.drsc.de)

Deutscher Nachhaltigkeitskodex (DNK)

Der DNK unterstützt den Aufbau einer Nachhaltigkeitsstrategie und bietet einen Einstieg in die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Die regelmäßige Berichterstattung macht die Entwicklung des Unternehmens im Zeitverlauf sichtbar. Um den DNK zu erfüllen, erstellen Anwender in der Datenbank eine Erklärung zu 20 DNK-Kriterien und den ergänzenden nichtfinanziellen Leistungsindikatoren. Der DNK bietet damit Unterstützung, Orientierung und Sichtbarkeit – und das kostenlos. (Quelle: https://www.deutscher-nachhaltigkeitskodex.de)

Global Report Initiative (GRI)

Die GRI-Standards repräsentieren die globale beste Praxis für die öffentliche Berichterstattung zu verschiedenen ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen. Eine auf den Standards basierende Nachhaltigkeitsberichterstattung informiert über die positiven oder negativen Beiträge einer Organisation zu einer nachhaltigen Entwicklung. (Quelle: https://www.globalreporting.org)

Dieser Artikel ist im Original am 14.07.22 im Buchreport-Channel Produktion & Prozesse erschienen.

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