Prima Klima im Verlag: CO2 wirkungsvoll bilanzieren und reduzieren

Dies ist Teil 3 einer Serie zum Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung, die im Börsenblatt erschienen ist:


Teil 1: »Nachhaltigkeitsgesetze: Mit Weitblick handeln und Gestaltungsspielraum nutzen«
Teil 2: »Nachhaltigkeit in Aktion: Berichtstandards mit Potenzial«
Teil 3: »Prima Klima im Verlag: CO2 wirkungsvoll bilanzieren und reduzieren«


Sie haben sich bereits einen Weg durch den Nachhaltigkeits-Dschungel gebahnt und wissen über Gesetzte und Berichtsstandards Bescheid? Prima, ansonsten kann das hier Teil 1 und hier Teil 2 schnell nachgeholt werden. Es ist wie es ist mit der Nachhaltigkeit: Nachdem man sich einen Überblick verschafft hat, wartet schon die nächste Herausforderung: Wie geht man die einzelnen Themen an? Nachhaltigkeit ist ein Marathon und wird uns noch die nächsten Jahrzehnte begleiten. Deshalb am besten Schritt für Schritt. Beginnen wir mit einem wichtigen Thema: Klimaschutz.

Inzwischen hat es jeder mitbekommen: Unser Klima ist das meistdiskutierte Nachhaltigkeitsthema in Politik und Medien überhaupt. Und egal welchen Nachhaltigkeitsberichtsstandard Sie aufschlagen, der Klimawandel, dessen Folgen und der Umgang damit ist in allen ein wichtiger Aspekt. Die Produktion von Büchern und Printprodukten ist ein sehr ressourcenintensiver Prozess. Das Thema Klimakrise ist deshalb auch für die allermeisten Verlage als wesentlich zu bewerten. Was können Verlage also tun, um sich auf die negative Veränderung des Klimas vorzubereiten, die Klimakrise nicht weiter zu befeuern, und was muss man dazu überhaupt alles wissen?

Klima-Benchmark: 1,5°C

Mit dem Pariser Klimaabkommen haben sich 191 beteiligte Staaten darauf geeinigt, die globale Erderwärmung auf unter 2°C, möglichst jedoch 1,5°C zu begrenzen. Das soll vor allem durch die Dekarbonisierung unserer Lebens- und Wirtschaftsweise geschehen, aber auch durch den Schutz und die Wiederherstellung von natürlichen Kohlenstoffsenkern, wie Wälder und Moore. Bis 2050 soll dadurch weltweit Treibhausgas-Neutralität erreicht werden. So weit, so ambitioniert. Damit ist klar, was die Zielsetzung für Verlage in Sachen Klimaschutz beinhalten sollte: Konformität mit dem 1,5°C-Ziel.

CO2-Bilanzierung – wie geht das?

Um die globale Wirtschaftsweise zu dekarbonisieren, sind vor allem Unternehmen gefragt, denn sie haben direkten Einfluss auf die Art und Weise wie unsere Produkte und Dienstleistungen hergestellt oder angeboten werden. Um in Sachen Klimaschutz handlungsfähig zu werden, braucht man zu Beginn vor allem eins: Daten. Diese Daten zu sammeln, ist manchmal schwieriger als gedacht.

Wichtig ist deshalb, geordnet und strukturiert vorzugehen und einen anerkannten Bilanzierungsstandard wie das Greenhouse Gas Protocol (GHG) zu nutzen. Das GHG ist der am häufigsten verwendete Standard, um Treibhausgas-Emissionen zu bilanzieren. Es ist anwendbar für Medienunternehmen jeder Größe und Rechtsform und wird von allen Nachhaltigkeitsberichtsstandards anerkannt. Das GHG Protocol erfasst Emissionen in drei Bereichen Scope 1, Scope 2 und Scope 3.

Bei Scope 1 handelt es sich um direkte THG-Emissionen durch stationäre und mobile Verbrennung fossiler Energieträger. Zum Beispiel beim Beheizen des Verlagsgebäudes mit Gas oder der Nutzung von PKWs mit Benzin oder Diesel.

Zu Scope 2 gehören energiebezogene indirekte Emissionen durch Fernwärme-, Strom oder Kältebezug.

Scope 3 umfasst alle indirekten Emissionen, die in der vor- oder nachgelagerten Wertschöpfungskette entstehen durch beispielsweise eingekaufte Güter und Dienstleistungen, Geschäftsreisen, Lager und Logistik, Mitarbeiterpendeln, Verpackung, Entsorgung oder Vertrieb.

Sind die Verbrauchsdaten in den jeweils relevanten Emissionskategorien erhoben, kann die Bilanz berechnet werden. Das geschieht entweder mit Durchschnittswerten aus den gängigen Ökobilanz-Datenbanken wie ecoinvent oder auf Basis genauer Werte, die Sie von Ihren Lieferanten und Dienstleistern erhalten. Alleine bei den Papiersorten gibt es große Unterschiede bei den CO2e-Emissionen, je nachdem aus welcher Papiermühle das Papier stammt. Das Gleiche gilt für den Druckprozess. Deshalb sind eine hohe Datenqualität und Genauigkeit in allen Bereichen von großem Vorteil.

Was sich am Anfang unendlich komplex anhört, lässt sich mit etwas Fleiß, erfahrenen Experten und dem richtigen Berechnungstool gut umsetzen. Dadurch spart man jede Menge Arbeit, Zeit, Geld, Frust und Fehler. Deshalb kann es hilfreich sein, sich externe Unterstützung zu holen.

Der Corporate Carbon Footprint (CCF) stellt den gesamten CO2-Fußabdruck eines Unternehmens dar, bestehend aus den oben beschriebenen direkten und indirekten Emissionen aller Standorte und Unternehmensbereiche. Die Analyse des Footprints identifiziert Hauptemissionsquellen. Auf dieser Grundlage können Reduktionsziele und -pläne entwickelt werden. Das ermöglicht die Umsetzung gezielter Maßnahmen zur nachhaltigen Verringerung des CO2- Fußabdrucks.

Der Produkt Carbon Footprint (PCF) umfasst alle Treibhausgas-Emissionen entlang der Wertschöpfungskette einer vorher bestimmten Messeinheit, beispielsweise eines Buches. Auch hier sind sowohl die direkten als auch indirekten Emissionen von Bedeutung. Der PCF ermöglicht den Vergleich einzelner Prozessschritte, wie z.B. die Papierherstellung oder den Druck, um gezielt Umweltauswirkungen bewerten zu können. Darüber hinaus bietet der PCF die Möglichkeit, Kunden detaillierte Informationen über den CO2-Gehalt einzelner Produkte zu geben.

Das Ergebnis der ersten CO2e-Bilanzierung ist ein essentieller Meilenstein in Sachen Klimaschutz und die Basis, um wissenschaftliche Reduktionsziele festzulegen und Reduktionsmaßnahmen abzuleiten.

CO2e-Emissionen wirkungsvoll reduzieren

Für echten Klimaschutz muss man zu nächst wissen, um wie viel ich meine Treibhausgas-Emissionen reduzieren sollte. Und auch da gibt es verschiedene Initiativen und Tools, die mir dabei helfen:

Bei der Science Based Traget Initiative (SBTi) handelt es sich um eine unternehmerische Selbstverpflichtung, wissenschaftlich basierte Ziele zur Reduktion der eigenen THG-Emissionen festzulegen. Die Reduktionsziele zeigen, wie viel und wie schnell die eigenen Emissionen reduziert werden müssen, um konform mit dem Pariser Klimaabkommen zu wirtschaften und die globale Erderwärmung auf 1,5°C zu begrenzen. Nach einer öffentlichen Willensbekundung haben die Unternehmen 24 Monate lang Zeit, eine THG-Bilanz zu erstellen und ihre wissenschaftlich basierten Ziele einzureichen und von SBT validieren zu lassen. Mit einer jährlichen Berichterstattung über die eigenen THG-Emissionen und mit der Verfolgung des Zielfortschrittes müssen teilnehmende Unternehmen Transparenz schaffen.

Ein anderes Tool zur Entwicklung eines wissenschaftlichen Reduktionspfades, der mit dem Pariser Klimaabkommen konform ist, bietet right. based on science mit dem XDC-Modell. Das Berechnungsmodell verknüpft das Ergebnis der CO2e-Bilanz mit der Wertschöpfung eines einzelnen Verlages und berechnet auf dieser Basis eine Gradzahl, die die Klimawirkung widerspiegelt. Damit referenziert right. based on science als einzige Organisation direkt auf das Pariser Klimaabkommen als relevanteste Benchmark für die Klimawirkung von Verlagen und bietet Medienunternehmen großes Kommunikationspotenzial.

Der Aufwand zur Erstellung einer CO2-Bilanz lohnt sich, denn sie bietet eine Reihe von Vorteilen: So können auf Basis der Ergebnisse Strategien, Pläne und konkrete Maßnahmen zur CO2-Reduktion eingeleitet und anschließend umgesetzt werden. Darüber hinaus können durch die genaue Erfassung Kostentreiber wie beispielsweise der Energieverbrauch beim Druck oder in den eigenen Gebäuden entdeckt und gesenkt werden. Angesichts der wachsenden Anforderungen wird die CO2-Bilanz bereits heute häufig als wichtiger Parameter bei der Vergabe von Aufträgen betrachtet. Und auch im Rahmen der steigenden Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichtserstattung kommt man um dieses Thema nicht mehr herum.

Dieser Artikel ist im Original am 04.12.23 im Börsenblatt erschienen.

Sie möchten mehr erfahren?

Sehr gerne! Vereinbaren Sie ein unverbindliches Erstgespräch mit Olaf Deconinck (deconinck@publisher-consultants.de).

Unsere Beratung

Zum Blog