Krisenbewältigung im Verlag: Strategie und Geschäftsmodelle

Dass eine Krise ein Unternehmen ins Stolpern bringt, wird sich nicht immer verhindern lassen. Aber wer gelernt hat, sich rasch zu stabilisieren, wird nicht so leicht aus der Bahn geworfen und kann gestärkt schnell wieder weitergehen. Aber wie gelingt dieses »Stolpern, schütteln, gestärkt weitergehen«?

Was Resilienz konkret für Verlage und deren Strategie und Geschäftsmodelle bedeutet, welche Rolle unser Mindset dabei spielt und wie Sie dabei zusätzliche Stabilität gewinnen können, beleuchten Markus Wilhelm und Nikola Ulrich.

Stabilisierung: Auf das Wesentliche konzentrieren

In einer Krise können Sie schnell wieder Stabilität erreichen, indem Sie sich sofort und ausschließlich auf das Wesentliche – das Kerngeschäft – konzentrieren, auf alles, was quasi das Überleben sichert. Denn eine Krise zwingt uns, Prioritäten zu setzen und das Wichtigste zuerst zu erledigen. So kann man fast automatisch erkennen, was genau im Unternehmen wirklich systemrelevant ist, und auch, welche Themen weniger bedeutsam sind.

Diese Erkenntnisse sollten Sie festhalten und die Chance nutzen, sich auf das eigentliche Kerngeschäft Ihres Unternehmens zu fokussieren, gleichermaßen aber auch Bereiche zu identifizieren, die sich outsourcen lassen. Gegebenenfalls mit Unterstützung durch externe Profis können Sie damit sehr schnell sehr gute Qualität und Know-how gewinnen sowie Ressourcen für anderes freimachen. Der interne Wissensaufbau kann dann zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Ein guter Zeitpunkt also, aufzuräumen und zu entrümpeln.

Zeit für ein Update des Geschäftsmodells?

Ganz ehrlich: Die beste Strategie hat keinen Wert, wenn das Geschäftsmodell dahinter nicht mehr funktioniert. Unser aller veränderte Lebenssituation führt zu neuen, anderen Bedürfnissen was Format, Nutzung und Bezugsquellen von Inhalten angeht. Das hat direkte und unmittelbare Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle, welche nun rasch, aber dennoch intensiv zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen sind. Nur mit einem offenen Blick auf zum Beispiel die aktuellen Kundenbedürfnisse und den Kundennutzen lässt sich klären, ob und welche Veränderungen für Ihr konkretes Geschäftsmodell zu verzeichnen sind und welche Auswirkungen das ggf. auf Ihr Kerngeschäft hat.

Eine pragmatische und strukturierte Analyse Ihrer bestehenden Geschäftsmodelle wird Ihnen schnell die aktuellen Grenzen, aber auch (neue) Entwicklungspotenziale aufzeigen.

Wir empfehlen daher, jedes Geschäftsmodell eingehend zu überprüfen:

Validierung der Zielgruppen

Spätestens jetzt zahlt sich eine hohe Expertise in Zielgruppenmarketing und einer entsprechenden Portfoliostrategie aus. Reflektieren Sie kritisch, wer genau zu Ihrer aktuellen Zielgruppe gehört und wer dieser Kunde eigentlich ist. Welche aktuellen Bedürfnisse hat er, welche sind neu oder haben sich verändert? Welche (neuen) Konkurrenzangebote sind vorhanden? Aber auch: Welche neuen Kundengruppen können Sie nun dazugewinnen?

Nutzen Sie dafür auch die Möglichkeiten der Digitalisierung. Der Einsatz von Software und Tools ermöglicht es, rasch an valide Daten in den für Sie relevanten Markt- und Kundengruppen zu gelangen. Die so gewonnenen Informationen zum Marktumfeld oder zu den Nutzergruppen liefern einen wichtigen Baustein zur objektiven Bewertung Ihrer Geschäftsmodelle. Nur so können Sie eine realistische Einschätzung von Potenzialen, Herausforderungen und Abhängigkeiten – und letztlich auch Entscheidungssicherheit – erlangen.

Wenn es rasch gelingt, die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppen mit aktualisierten Geschäftsmodellen zu erfüllen, können Sie grundsätzlich erfolgreich am Markt bestehen. Dabei zählen Schnelligkeit und die Fähigkeit, Kontakt und möglichst große Nähe zum Kunden aufzubauen, den Dialog zu halten und ein entsprechendes Angebot zügig zu entwickeln.

Gerade deshalb gilt es auch festzuhalten, wie Ihr Unternehmen aufgestellt sein muss, um jederzeit flexibel und schnell auf sich ändernde Kundenbedürfnisse und Marktanforderungen reagieren zu können.

Zeit für den Frühjahrsputz

Nachdem Sie nun ein aktuelles Bild herausgearbeitet haben, für wen Sie werthaltigen Inhalt erstellen, steht die rigorose Portfoliobereinigung an. Manch ein Zögern der letzten Jahre konnte sich unter dem Druck der Pandemie endlich zu einem klaren Entschluss entwickeln. So werden Ressourcen und Kapazitäten frei, die nun an anderer Stelle effizienter eingesetzt werden können, beispielsweise in der Geschäftsmodellentwicklung, Zielgruppenforschung, für Markt- und Portfolioanalysen u.v.m.

Die Pandemie fungiert in vieler Hinsicht also auch als „Zünglein an der Waage“ und unterstützt eine konsequente Entschlackung und Fokussierung der Produkte wie auch der Geschäftsabläufe und Organisationsstrukturen. Notgedrungen kommt es zu einer Entscheidungsfreude, die allerdings nicht von panischem Aktionismus befeuert, sondern durch fundierte Zahlen, Daten und Fakten sowie eine klare strategische Ausrichtung getrieben sein sollte.

Auf geht’s!

Deshalb ist jetzt auch die Gelegenheit gekommen, die Strategie erneut unter die Lupe zu nehmen:

Dabei sollten Sie nicht aus den Augen verlieren, dass der im Elfenbeinturm entwickelte Strategieprozess ausgedient hat. Die Arbeit der Führungskräfte hat sich gewandelt, hin zu einem durchlässigeren, transparenten Vorgehen, das nicht top-down, sondern integrativ agiert und mehr Know-how-Träger im Unternehmen einbindet. Von größter Bedeutung ist heute eine werteorientierte Haltung, die von agilem Denken und Handeln sowie Offenheit für iteratives Experimentieren geprägt ist – nach dem Prinzip „build – measure – learn“.

Praxistipp: Wie Sie Strategie und Geschäftsmodelle fit und widerstandsfähig machen

Auf der Ebene der Strategie und der Geschäftsmodelle sind die wichtigsten Schritte zur Resilienz die folgenden:

Abbildung: Zusammenspiel zwischen Unternehmensstrategie und Geschäftsmodellentwicklung.

Strategie

Geschäftsmodell

Fazit

Ohne Zweifel lohnt es sich nun besonders, sich eingehend, kritisch und mutig mit der Strategie und den Geschäftsmodellen zu beschäftigen, sie zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen. Denn hier steckt großes Potenzial für eine Weiterentwicklung hin zu mehr Flexibilität und damit Resilienz.

Dieser Artikel ist im Original am 13.05.21 im Buchreport-Channel Produktion & Prozesse erschienen.

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