Die Beschaffungskrise ist nur ganzheitlich lösbar

Spätestens seitdem der SPIEGEL in seinem News Briefing vom 16. September titelte „Wird Papier das neue Gold?“, haben das Thema Beschaffung und die „Papierkrise“ ihren Weg in die breite öffentliche Wahrnehmung gefunden. Was anfangs nur ein coronabedingter Engpass war, wirft jetzt die Frage auf, inwieweit die Beschaffung auch ganz grundsätzlich neu gedacht werden muss.

Bislang fuhren viele Unternehmen gut mit dem Konzept, ihre Papierbestellungen bedarfsgerecht abzusetzen, anstatt sich die Lager vollzustellen mit Paletten von „totem Wald“, die Auflagenplanung wurde just in time vorgenommen. Inzwischen ist das kein funktionierendes Modell mehr. Die Situation im Markt ist unverändert angespannt, zwar haben sich viele bis zum Jahresende bevorratet, aber wie es danach weitergehen kann und was die aktuelle Situation für die Zukunft bedeutet, welche Strategiewechsel vonnöten sind, um auch in Zukunft die eigenen Produkte zu den Kunden zu bringen, ist häufig noch nicht geklärt.

In der aktuellen Situation bietet es sich an, zweigleisig zu fahren: Einerseits muss spontan gehandelt werden, z.B. bei Nachdrucken oder „Schnellschüssen“, weil ein Titel noch kurzfristig ins Programm kommt. Andererseits müssen mittel- und langfristig Strategien entwickelt werden, um der Beschaffung – auch im Kontext der immer relevanter werdenden Nachhaltigkeitsdebatte – einen Rahmen zu geben.

Um kurzfristig lieferbar bleiben zu können, hilft es, folgende Fragen zu prüfen:

Mittel- und langfristig sollte überlegt werden, welche der kurzfristigen Maßnahmen zum Teil einer haltbaren Beschaffungsstrategie erhoben werden können:

Die Papierkrise ist jetzt schon das zweite Ereignis, das in kürzester Zeit vor Augen führt, wie zentral es ist, dass Verlage ganzheitlich denken und ihre Fragestellungen als Einheit definieren und beantworten. So wie die Corona-Krise keine Krise war, die allein Marketing und Vertrieb betraf, so betrifft die Papierkrise nicht allein die Herstellung: Wenn Bücher nicht ausgeliefert werden können, wenn sie gar nicht erst gedruckt werden können, dann wird die gesamte Wertschöpfungskette bedroht. Daher lohnt es sich, die Krisen als das zu begreifen, was sie letztlich sind: Chancen zur Organisationsentwicklung, zu mehr Nachhaltigkeit und zur idealen Ressourcenorientierung – nicht nur in Bezug auf Papier und Karton.

Dieser Artikel ist im Original am 27.09.21 im Buchreport-Channel Produktion & Prozesse erschienen.

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